Vegane Ernährung: Auswirkungen auf Umwelt

9. Januar 2023
Von Max R. Wissen & Ideen

    Vegane Ernährung wird immer beliebter, der Markt mit veganen Ersatzprodukten boomt. Gründe dafür gibt es viele: Gesundheitliche Aspekte, Tierwohl und ethische Überzeugung – aber viele nennen als zentralen Grund für ihren veganen Lebensstil Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Immer mehr Experten bestätigen, dass pflanzliche Ernährung deutlich umweltfreundlicher ist als tierische – und gerade Fleisch ist ein echter Killer für das Klima. Welchen Effekt haben vegane Produkte auf die Umwelt und wie hängen pflanzliche Ernährung und Klima zusammen? Wir haben für Dich die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Treibhausgase

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Kühe mit Heu im Stall

    Jedes Lebensmittel hat einen CO2-Fußabdruck, denn Anbau, Verarbeitung, Lagerung und Transport verursachen das schädliche Klima-Gas. Die Größe dieses Fußabdrucks ist aber für jedes Lebensmittel unterschiedlich. 

    Fleisch ist bei den klimaschädlichen Lebensmitteln ein absoluter Spitzenreiter: Jedes Kilo Rindfleisch in deutschen Supermärkten verursacht 13,6 Kilo CO2. Im Vergleich: Die gleiche Menge Karotten verursachen 0,1 Kilo CO2. Wieviel das wirklich ist, macht dieser Vergleich deutlich: Die jährlichen gesammelten Ausstöße von allen Verkehrsmitteln weltweit (Autos, LKWs, Flugzeuge und Schiffe) sind immer noch weniger als die Treibhausgase, die in einem Jahr durch die Nutztierhaltung entstehen. 

    Woran liegt das? Einerseits benötigen Nutztiere riesengroße Mengen an Futter; entsprechend groß ist der Bedarf an Anbauflächen. Wiederkäuer wie Rinder produzieren außerdem Methan – und dieses Gas ist für das Klima 23-mal schädlicher als CO2. Dieses Problem betrifft also nicht nur die Fleischindustrie, sondern auch die Milchproduktion. Bildlich gesagt: Eine (westliche) Ernährung mit tierischen Produkten produziert pro Person und Tag mehr als 7 Kilo CO2 – bei einer veganen Ernährung sind es nur 2,9 Kilo pro Tag. Würde die ganze Welt sich rein pflanzlich ernähren, könnten 60% aller CO2-Emissionen eingespart werden. Das entspricht jährlich knapp 8 Milliarden Tonnen. 

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Landbedarf

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Bauer auf dem Feld

    Anbaufläche für tierische vs. pflanzliche Produkte

    Der Platz auf unserem Planeten ist begrenzt. Mit einer pflanzlichen Ernährung könnten wir einen großen Teil der Agrarfläche einsparen. Zum Vergleich: Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch benötigt eine 50-mal größere Fläche als für die gleiche Menge Soja. Bei einer stetig weiter wachsenden Weltbevölkerung sind die Flächengrenzen hier bald erreicht. 

    Der große Platzbedarf der Fleisch– und Milchprodukte-Industrie wird aber nicht durch die Tiere selbst verursacht, sondern in erster Linie von der Anbaufläche für das Futter der Tiere. Viele Konsumenten haben das nicht vor Augen, weil ein großer Teil dieser Agrarflächen sich im Ausland befindet. Alleine für den Anbau von Soja werden jedes Jahr riesige Flächen des brasilianischen Regenwaldes abgeholzt. Und entgegen eines weit verbreiteten Vorurteils wird dieses Soja nicht für vegane Ersatzprodukte wie Sojamilch oder Tofu genutzt: Mehr als 80% davon werden zu Tierfutter verarbeitet. Aber auch in Deutschland nimmt der Anbau von Tierfutter mehr als 50% der Ackerflächen in Anspruch. 

    Mit einer Umstellung auf pflanzliche Ernährung könnte die gleiche Fläche viel effizienter genutzt werden. Würde die gesamte Weltbevölkerung auf vegane Ernährung umsteigen, wäre die eingesparte Fläche größer als die gesamte Fläche der EU, Chinas, Australiens und der USA zusammen. Diesen freigewordenen Flächen könnten neu bepflanzt werden – mit Bäumen, die CO2-Ausstoß binden und damit dem Klima helfen. 

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Bäume von unten aus gesehen

    Abholzung der Regenwälder

    Wie entsteht neue Fläche für Tierfutter? In erster Linie durch Abholzung von Wäldern – jedes Jahr wird eine Fläche, die größer als Panama ist, abgeholzt. Einerseits wird dadurch der wertvolle Lebensraum von vielen Tieren und Pflanzen zerstört: Die Artenvielfalt geht verloren und indigene Völker werden vertrieben. Aber die Abholzung des Regenwalds beschleunigt auch den Klimawandel – denn Bäume, Sträucher und Wurzeln sind wichtige Speicher für CO2. Gerade ein Regenwald mit vielen verschiedenen Pflanzen ist einer der besten CO2-Speicher und verhindert, dass die Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Mit einer verstärkt pflanzlichen Ernährung und damit kleineren Anbauflächen würde sich außerdem die Qualität der Böden deutlich verbessern: Pflanzenanbau statt Weideflächen macht die Erde durch die Zufuhr von Nährstoffen belastbarer, anstatt ihr diese nur zu entziehen. 

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Wasser

    In vielen trockenen Regionen ist es schon Realität: Das Wasser wird knapp und ist damit eine der wichtigsten Ressourcen der Welt. Ein nachhaltiger und umsichtiger Wasserverbrauch ist also wichtiger denn je. Gerade vegane Ernährung kann hier einen großen Unterschied machen. 

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Gläser mit Trinkwasser

    Wasser und die Fleischindustrie

    Das Wasser für Dusche, Badewanne oder Waschmaschine kommt aus Deiner Region und Du kannst den Verbrauch relativ gut im Blick behalten. Was weniger sichtbar ist, sind die riesigen Mengen an Wasser, die für die Produktion Deines Essens verbraucht werden. Alleine ein Kilo Rindfleisch beansprucht in seiner Produktion über 15.000 Liter Trinkwasser – nicht für die Kuh an sich, sondern für den Anbau der Futtermittel. Und dieses Futter wird überwiegend im Süden der Welt angebaut, wo Trinkwasser ohnehin schon knapp ist und durch die Produktion von Fleisch noch knapper wird. Durch die Verwendung von Düngemitteln, Pestiziden und Antibiotika wird das Grundwasser und in vielen Fällen auch die Ozeane verunreinigt. Was für den Menschen ein Gesundheitsrisiko darstellt, zerstört auch ganze Ökosysteme immer weiter. 

    Eine pflanzliche Ernährung nimmt wesentlich weniger Wasserverbrauch in Anspruch. Im Vergleich zu den 15.000 Liter für ein Kilo Fleisch verbraucht die gleiche Menge Mais nur 500 Liter Wasser.

    Wasser und vegane Ernährung: Die Herkunft macht’s

    Aber auch bei pflanzlicher Ernährung kann der Wasserverbrauch sehr hoch sein. Den großen Unterschied macht hier die Herkunft der Produkte. Viel Obst und Gemüse, das auch in Deutschland im Supermarkt zu finden ist, kommt aus Anbaugebieten mit Wasserknappheit. Bei Nüssen stammen sogar über 90% aus dem Ausland. Gerade Zitrusfrüchte, Avocados und Mandeln kommen häufig aus den trockenen Regionen Spanien oder Kalifornien – und verschlingen in ihrer Produktion Unmengen an Wasser. Das bedeutet, dass die Felder künstlich bewässert werden müssen, was die Trockenheit vor Ort noch schlimmer macht. 

    Insgesamt ist eine vegane Ernährung also auch in Sachen Wasserverbrauch grundsätzlich besser, aber auch hier solltest Du genau darauf achten, wo Deine Produkte angebaut werden und Dich soweit möglich für regionale Produkte entscheiden. Denn je mehr heimisches Obst, Gemüse und Nüsse Du kaufst, desto weniger förderst Du die Wasserknappheit an anderen Orten.

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Holzlöffel mit Nüssen

    Vegane Ernährung: Die nachhaltigste Option

    Eins steht fest: Jedes Lebensmittel verursacht in seiner Produktion Treibhausgase und verbraucht Land und Wasser. Aber je nach Ernährung kannst Du Deinen Beitrag dazu so klein wie möglich halten und eine pflanzliche Ernährung ist dafür die beste Option. Das heißt: Mit pflanzlicher Kost leistest Du einen Beitrag zum Umweltschutz. Eine Oxford-Studie aus dem Jahr 2018 hat sogar ergeben, dass vegane Ernährung der effektivste Weg ist, die Umwelt zu schützen. Denn bei veganer Ernährung landen pflanzliche Lebensmittel direkt auf dem Teller – ohne den “Umweg” über das Tier. 

    Die gute Nachricht ist also, dass Du durch vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt und Klima hast: Wenn Du vegan lebst, kannst Du jedes Jahr bis zu 2 Tonnen CO2 einsparen – auch wenn Dein Lebensstil sich ansonsten nicht verändert. Und die noch bessere Nachricht ist: Das ist lecker und macht richtig Spaß! Denn vegane Ernährung heißt nicht, auf Genuss zu verzichten. Im Gegenteil: Es gibt eine riesige Vielfalt an leckeren pflanzlichen Lebensmitteln und Rezepten, die Du für Dich entdecken kannst. 

    Hier sind einige unserer Favoriten – viel Spaß beim großen Genuss ohne schlechtes Gewissen!

    Maronen-Pilz-Ragout mit Knoblauch-Bohnen

    Vegane Ernährung Auswirkungen auf Umwelt: Maronen-Pilz-Ragout

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